Halb sechs klingelt der Wecker, drei Stunden vor Niedrigwasser. Ich will hinaus nach Helgoland. Der Wind hat auf NNW gedreht und weht mit 18kn. Kann ich die Barre des Dovetief in Richtung NNO passieren? Bei auflandigem frischem Wind beginnen über den Gründen die Seen sich steil aufzutürmen um sich weiß schäumend zu brechen und bei der Konstellation Strömung gegen Wind, die gerade herrscht können Grundseen in den Seegaten zu unerwarteter Höhe aufsteigen und kleine Boote querschlagen lassen ohne daß der Steuermann/ die Steuerfrau die Macht hat entgegenzuwirken.

Im letzten Jahr machte Argo von Helgoland kommend. Wir waren spät, drei bis vier stunden nach HW N-Riffgat. Eine frische Brise aus N lies uns zwischen den Gründen mit 6kn die Barre des Dovetief passieren. Eine rauschende Fahrt! Doch dann hob Argo unerwartet das Heck beschleunigte, surfend vor der steilen See auf mehr als 8,5kn. Der Bug drückte sich tief in das Wellental und Argo drohte aus dem Ruder zu laufen. Die See rauschte im nächsten Moment schäumend unter dem Rumpf hindurch. Dann Ruhe, für sechs, sieben Sekunden nur. Der kurze Blick nach Achtern erfasste den nächsten Wellenberg der langsam und majestätisch wiederum Argo zwei, drei Meter hob und rauschend im Tal zurückließ. Einmal noch, und wir waren im tiefen Waser des Gats. Der spuk war vorbei, Argo pflügte ruhig gegen den starken Ebbstrom des Dovetief, Richtung Norderney.

Nein, vor Sonnenaufgang will ich heute nicht hinaus in die ungewissheit des Gats. Wenn es hell wird ist es bereits zu spät. Der billige Instantkaffee wärmt und hinterlässt seine typische leichte Bitternis auf der Zunge. Ich werde bleiben, warten bis Morgen, der Wind soll drehen, Richtung NO, die Böen werden nachlassen. …

Morgen will ich hinaus, nach Helgoland!

Was tun?..
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